Die Ratte verlässt das sinkende Schiff

Bei mir auf Arbeit herrscht immer eine große Fluktuation, oft ungewollt als gewollt, manchmal auch ungewollt gewollt.
Normalerweise interessiert mich das eher wenig. Ich habe nicht allzuviel mit den Mitarbeitern hier zu tun. Ich lege darauf auch sehr großen Wert, denn gerade wo viele Frauen arbeiten, werden Zickenkriege veranstaltet und wenn es nur darum geht, das Kollegin Y heute die falschen Schuhe trägt. :roll:
Männer sind da einfacher –> direkt. Das schätze ich sehr an ihnen, auch wenn es manchmal zu plump ist. Aber was soll man im Berufsleben auch um den heissen Brei herumreden. Letztendlich ist man dort nur um eine Arbeit zu verrrichten und nicht in einer Kontaktbörse.
Mich widern gerade Frauen an, die mit ihrer scheinheiliger Freundlichkeit daherkommen… in der rechten Hand ein Röhrchen, mit dem sie dir Zucker in den Hintern pusten und in der linken Hand das Messer, das sie dir bei der nächstmöglichen Gelegenheit in den Rücken stoßen.
Daher bleibe ich eher passiv, habe zwar Spaß mit vielen netten Kollegen, aber die Freizeit mit Ihnen verbringen, dafür müsste man schon mehr auf einer Wellenlänge sein. Außerdem herrscht hier oft ein Konkurrenzrennen, welches ich in diesem Job wirklich nicht nachvollziehen kann.
Da verrrichte ich doch lieber unauffällig meine Arbeit und amüsiere mich über das Irrenhaus-Spektakel der anderen. :P

Das einzige, was mich wirklich stört, ist dieses hinterlistige und unkollegiale Verhalten einiger Kollegen. Ich bin ganz ehrlich, auch ich bewerbe mich nebenher und möchte mich umorientieren, aber ich mache da kein Staatsexamen draus.
Bei vielen geht das alles allerdings sehr heimlich von statten. War Kollege X heute noch da, ist er plötzlich morgen woanders.
Wenn Kollege X dann aber in deinem Team war und das Team sehr klein und auf jeden Mitarbeiter angewiesen, ist das saumies.
Und Kollege X ist nicht der erste, der das tut. Es gab auch schon den Fall, dass sich ein Kollege von Woche zu Woche immer wieder hat krankschreiben lassen um dann nach Monaten die Kündigung einzureichen. Das ist sehr hinderlich und fällt letzten Endes auf uns Mitarbeiter zurück, da wir immer wieder neue und zusätzliche Dienstzeiten und viel Arbeit haben.

Diesmal war es ähnlich. Kollege XY war immermal wieder krank, ein paar Tage da und dann wieder mysteriös krank. Dann war Kollege XY im  Urlaub und nun am Ende des Urlaubes kam die Kündigung. Für die restlichen Arbeitszeit nach dem Urlaub bis zum Monatsende hat sich Kollege XY  auch noch krankgeschrieben. Ganz logisch, mir wäre es nach so einer Aktion auch peinlich, dann noch zur Arbeit zu kommen.
Für ganze 10 Minuten war KollegeXY da, unauffällig gebückt, von kranksein keine Spur, gewartet bis der Chef weg war ( SOWAS FEIGES! ), schnell die Kündigung ins Büro geworfen und weg…
Keine anständige Verabschiedung, nicht mal von den eigenen Teamkollegen, keine Nachfrage wegen des neuen Projekts, welches dieser Kollege ja  auch noch angelernt hatte… nichts. Nur Zeit, um mit der neuen Stelle anzugeben war genug.
Ich bin nicht neidisch, nur sauer und empfinde eine starke Ungerechtigkeit. Immerhin  reisst man  sich den Ar*** auf, kommt auch,wenn es einem schlecht geht, weil man weiss, dass das Team jede Hilfe braucht und dann wird einem so fies in den Rücken gefallen.
Mich persönlich bewegt es so sehr, weil diese Person anfangs eine sehr liebe war und auch privat hat man sich mal getroffen. Aber nachdem ich letztes Jahr dieses Burn Out hatte, kippte plötzlich diese “Beziehung”. Ich weiss bis heute nicht, was ich getan habe, aber es war alles so kalt geworden.
Deswegen wieder meine gesunde Distanz zu Arbeitskollegen… im privaten kann man sich aus dem Weg gehen, das ist auf Arbeit ganz schwierig.
Ich hatte immer das Gefühl, es passte dem Kollegen nicht, dass ich danach auf 6 Stunden am Tag runtergegangen bin. Klar konnte ich früher gehn, aber das kann sich ja jeder selbst aussuchen.
Ich höre oft die Worte: “Haach, hast du´s gut, du darfst schon gehn!” Die Leute vergessen aber auch immer, dass ich natürlich viel weniger verdiene als sie. Dann möchten sie plötzlich nicht mehr mit mir tauschen, wenn ich sie darauf hinweise. :roll:

Ich bin auch sehr enttäuscht, bezüglich des Teamverhalten. Dass es einem mal nicht gut geht, ist völlig in Ordnung. Ich verstehe nur nicht, warum man dann nicht miteinander spricht. Wenn es einem schlecht geht und unter der Arbeit leidet, sollte man das meiner Meinung nach mal besprechen, vielleicht kann man helfen. Wirklich schade, gerade zu mir kann jeder kommen, nachdem ich  das alles sehr gut nachvollziehen kann.

Alles in Allem hat mich dieser Vertrauensbruch nur wieder zurückgeworfen und vorsichtiger gemacht, wobei ich eh schon sehr lange brauche um Kontakte persönlicher werden zu lassen.
Letzenendes werde ich wohl immer wieder auf solche Blutsauger treffen und eigentlich wollte ich mir auch nur Luft machen mit den vielen Worten.

7 comments on “Die Ratte verlässt das sinkende Schiff

  1. Deinen Beitrag kann ich echt nachvollziehen. Hab das auch schon erlebt, dass sich die Leute gegenseitig so fertig gemacht haben in der Arbeit. Ich kann des net so wirklich nachvollziehen weil ich mir denk man verbringt einen großen Teil des Tages zusammen, hat den Stress durch die Arbeit selbst und dann macht man sich noch das Leben schwer durch irgendwelche Zickerein. Aber des ist wirklich typisch Frau, so traurig es auch ist.

    Des mit deiner Kollegin finde ich auch heftig, hab aber das gleich nur im Privaten erlebt. Kann mir das nur so erklären, dass die Leute einfach net nachvollziehen können wie es einem da geht weil sie mit solchen Sachen einfach nicht konfrontiert sind. Daher ist Vorsicht immer gut auch wenn des einem vor Enttäuschung nicht immer schützen kann…

    • Ja traurig sowas… Ich bin auch froh, dass dieser Kollege nun weg ist. Hat sehr an meinen Nerven gezerrt dieser Mensch. Eine große, wenn auch ärgerliche Erleichterung für mich diese Person nie wieder sehn zu müssen.

  2. Hey Schnieeeeen, anscheinend leben wir in einer Parallelwelt. Du weißt, Telefonjob und ich, das ist irgendwie überhaupt nicht vereinbar. Vor allem, weil ich eher der schüchterne Typ bin. Anrufen und dann auch noch Kaltakquise ist gar nicht mein Ding. Aber was soll´s. Inzwischen mach ich das ja auch schon über 3 Jahre und so langsam hat sich erschreckender Weise so was wie eine gleichgültige Routine entwickelt. Ich bin aus denselben Gründen wie du dabei: to make money. Nicht um das übergroße Geld abzukassieren (das gibt´s in der Branche ja eh nicht), sondern um finanziell nicht ganz vor die Hunde zu gehen. Und erst recht nicht, um kollegiale Freundschaften zu penetrieren.

    Alles was du schreibst, hab ich so oder ähnlich auch erlebt. Hohe Fluktuation, plötzliche Kündigungen… auf einmal hat das BermudaDreieck wieder einen der wertvollsten und unersetzbaren Mitarbeiter in die Tiefe gerissen.

    Viel schlimmer aber: Wir sind ein relativ festes Team von insgesamt fünf Leuten. Dadurch, das ich bei der Hotline aber der einzige CallBOY bin, hab ich automatisch eine Außenseiterposition inne; ich kann mich eben nicht den halben Tag über Mode, gutes oder schlechtes Wetter (es werden dann halbstündlich wetter.com-Daten mit wetter.de-Daten abgeglichen), oder über verschiedene Kuchensorten inklusive Kaffee- und Teevariationen unterhalten. Weihnachten ist da echt die Härte …

    Mein Smalltalk würde sich auf kaputte Beziehungen, schmutzigen Sex und Alternative Music beschränken, aber so was kennen die CallGirlies leider nicht. Oder wollen es nicht kennen. Das beste ist, wenn die Dienstälteste (53) und gleichzeitig “Teamchefin” sich als”Mitarbeiterin der eigenen Firma” bezeichnet. Denn sie ist alles, bloß das nicht. Oder wenn sie von ihrer Kollegin mit „Schatz“ angeredet wird. Die beiden verstehen sich auch außerhalb der regulären Geschäftszeiten echt gut. Nur das Altersgefälle macht das Ganze dann doch etwas lächerlich: die ‘Schätze’ liegen 20 Jahre auseinander.

    Naja, du siehst: der ganz alltägliche Wahnsinn. Oder wie Sartre treffend sagte:“ Die Hölle, das sind die Anderen“. ;) Ich fühle mit dir …

    (Sorry, dass ich in letzter Zeit so wenig kommentiere, aber ich bin gerade ‘heißkalt’ verliebt)

    • Hehe unser Smalltalk würde sich gut decken, :mrgreen: zumindest was die Thematik: schmutzigen Sex und alternative Musik angeht. Na obwohl, zu kaputte Beziehungen kann ich auch viel erzählen, nicht aktuell *gottseidank* aber damals eben.

      “Die Hölle, das sind die anderen.” –> schönes Zitat. :)
      Du brauchst dich aber nicht entschuldigen für deine Abwesenheit. Ich freu mich dich. =)

  3. Ey, das geht ja wohl gar nicht sowas! Fühl dich ganz dolle gedrückt. Auf solche “Kollegen” kann man echt verzichten. Ist schon traurig, wie man sich so in den Menschen täuschen kann…

    Boah, ich bin so müde und kann gar keinen klaren Gedanken fassen. Auf jeden Fall: Doofe Kollegen du hast!

    • Danke *fest zurückddrückt* :)

      Du mehr schlafen musst… :P

  4. Es ist immer dasselbe. Neid, Mißgunst und Haß liegen eben in der menschlichen Natur. Damit muss man leben, auch wenn es nicht immer einfach ist. Es ist aber die letztlich unsere Realität.Ich selbst schließe mich von oiesen mneschlichen Gefühlen nicht aus. Sicherlich haben diese Verhaltensweisen auch gesellschaftliche Ursachen, denn das bestehende System fördert und bedingt ja geradezu ein solches Benehmen.Erinnere dich daran, dass dir niemand versprochen hat, dass die Welt und die Menschen gut und gerech sind.Deshalb ist es wichtig daran zu denken……….. Können wir unsere Situation nicht ändern, bleibt uns nur die Möglichkeit, das Unveränderbare zu akzeptieren und uns auf unsere Stärken und die positiven Seiten in unserem Leben zu konzentrieren. Du machst dir damit ein großes Geschenk.
    Wir Menschen sind geblieben, wie wir seit Millionen von Jahren waren – im höchsten Maße gierig, neidisch, aggressiv, eifersüchtig, ängstlich und verzweifelt, mit gelegentlichen Ausbrüchen der Freude und der Zuneigung. Wir sind eine seltsame Mischung von Haß, Furcht und Freundlichkeit. Wir sind gewalttätig und auch friedfertig. Der äußere Fortschritt hat uns vom Ochsenkarren bis zum Düsenflugzeug geführt; aber innerlich hat sich das Individuum überhaupt nicht geändert, und dieses Individuum hat die Struktur der Gesellschaft in der ganzen Welt geschaffen. Das äußere soziale Gefüge ist das Ergebnis der inneren psychologischen Struktur unserer menschlichen Beziehungen, denn das Individuum ist das Resultat der gesamten Erfahrungen, des gesamten Wissens und Verhaltens des Menschen. Jeder von uns ist das Lagerhaus der ganzen Vergangenheit. Das Individuum ist das Wesen, das die ganze Menschheit in sich trägt. Die gesamte Geschichte des Menschen ist in uns niedergeschrieben. Beobachten , was sich wirklich in Dir und in der Außenwelt abspielt – in dieser Wettbewerbskultur, in der du lebst, mit ihrem Verlangen nach Macht, Position, Einfluß, Namen, Erfolg und allem Drum und Dran. Betrachten die Leistungen, auf die Sie so stolz sind, den ganzen Bereich, den Sie Leben nennen, in dem alle Beziehungen voller Konflikte sind, die Haß, Widerstreit, Brutalität und endlose Kriege erzeugen. Dieser Bereich, dieses Leben ist alles, was wir kennen, und da wir unfähig sind, den gewaltigen Daseinskampf zu begreifen, fürchten wir uns natürlich davor und spüren die verborgensten Möglichkeiten auf, um zu entrinnen. Wir fürchten uns auch vor dem Unbekannten, fürchten uns vor dem Tode, fürchten uns vor dem, was hinter dem Morgen liegt. Wir fürchten uns vor dem Bekannten und fürchten uns vor dem Unbekannten. Das ist unser tägliches Leben, in dem es keine Hoffnung gibt. Darum ist jede Philosophie, sind theologische Begriffe jeder Art nur eine Flucht vor der eigentlichen Wirklichkeit, vor dem, was ist.
    Alle äußeren Veränderungen, die durch Kriege, Revolutionen, Reformationen, Gesetze und Ideologien veranlaßt wurden, haben es nicht vermocht, die Natur des Menschen und damit die Gesellschaft grundlegend zu verwandeln. Als menschliche Wesen, die in dieser monströs häßlichen Welt leben, müssen wir uns fragen, ob diese Gesellschaft, die auf Wettbewerb, Brutalität und Furcht gegründet ist, zu einem Ende kommen kann – nicht in der begrifflichen Vorstellung, nicht als eine Hoffnung, sondern in Wirklichkeit, so daß der Geist frisch, neu und unschuldig ist und eine gänzlich andere Welt hervorbringen kann.

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