Als Gott die Krankenschwester schuf…

Gestern Abend kam ich bei meinem Rundgang zu einem Bewohner, bei dem ich normalerweise nur kurz etwas erledige. Als ich mich nach seinem Befinden erkundigte, schaute er mich bereits mit Tränen in den Augen an und meinte es wäre alles in Ordnung. In Wirklichkeit, erzählte mir der Mann dann, fühle er sich schrecklich einsam. Er hatte vor einiger Zeit noch ein schönes Haus und viele Sachen, die er aber alle aufgeben musste bzw. wollte, als seine Frau vor einigen Jahren starb.
“Was nützen einem die vielen Dinge, wenn man sie mit niemanden teilen kann”, sagte er.
Und so saß er einsam zwischen den restlichen Sachen aus seinem Haus, die er so nach und nach entsorgte… Ein trauriges Bild.
Viele alte Menschen sind allein dort und ich hab nur so wenig Zeit, ihren Tag ein wenig zu erfreuen. :(
Als ich dann aus dem Zimmer ging, musste ich erstmal tief durchatmen, die Traurigkeit abschütteln, mir die Tränen verdrücken, fest schlucken und meine Arbeit weitermachen.
Und da viel mir eine andere Geschichte wieder ein. Sie ist schon älter und viele werden sie kennen, aber sie ist sehr schön:

Die Legende von der Erschaffung der Krankenschwester

Als der liebe Gott die Schwester schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden.
Da erschien ein Engel und sagte: „Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur!“
Der Liebe Gott antwortete: „Hast du die lange Liste spezieller Wünsche auf der Bestellung
gesehen?”
• Sie soll als Frau und Mann lieferbar sein,
• wartungsfrei und leicht zu desinfizieren, aber nicht aus Plastik,
• sie soll Nerven wie Drahtseile haben und einen Rücken, auf dem sich
alles abladen lässt,
• dabei aber so zierlich, dass sie sich in viel zu kleinen Dienstzimmern
wohl fühlen kann.
• Sie muss fünf Dinge zur gleichen Zeit tun können und soll dabei
immer noch eine Hand frei haben.

Da schüttelte der Engel den Kopf und sagte: “Sechs Hände, das wird kaum gehen!”
“Die Hände machen mir keine Kopfschmerzen”, sagte der liebe Gott, “aber die drei Paar Augen, die schon das Standardmodell haben soll!”
• Ein Paar, das nachts durch alle Wände sehen kann und damit eine
Nachtwache zwei Stationen betreuen kann.
• ein zweites Paar im Hinterkopf, mit dem sie sieht was man vor ihr
verbergen möchte, was sie aber unbedingt wissen muss
• und natürlich das eine Paar hier vorn, mit dem sie einen Patienten
ansehen kann und sagen: Ich verstehe Sie und bin für sie da – ohne
dass sie ein Wort sprechen muss

Der Engel zupft ihn leicht am Ärmel und sagte: „Geht schlafen, Herr und macht morgen weiter“
“Ich kann nicht”, sagte der liebe Gott, “ich habe es bereits geschafft, dass”:
• sie fast nie krank wird, und wenn, dann heilt sie sich selbst; denn sie kann begreifen,
• dass 10 Doppelzimmer 40 Patienten bedeuten kann,
• aber 10 Stellen oft nur 5 Schwestern sind;
• sie hat Freude an ihrem Beruf, der alles fordert und daher wenig
bezahlt wird,
• sie kann mit Schaukelschichten leben und kommt mit wenigen
freien Wochenenden aus.

Der Engel ging langsam um das Modell der Schwester herum. “Das Material ist zu weich”, seufzte er – aber daher zäh – entgegnete der liebe Gott. “Du glaubst gar nicht, was es alles aushält!
“Kann sie denken”, fragte der Engel?
“Nicht nur denken, sondern urteilen und Kompromisse schliessen”, sagte der liebe Gott.
Schliesslich beugte sich der Engel vor und fuhr mit dem Finger über die Wange des Modells. “Da ist ein Leck”, sagte der Engel. “Ich habe euch ja gesagt, ihr versucht zuviel in das Modell hineinzupacken.”
“Da ist kein Leck… das ist eine Träne!”“Wofür ist die?”
„Sie fliesst bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz und Verlassenheit“, sagte der liebe Gott versonnen:
Die Träne ja….. die Träne ist ein Überlaufventil!

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