Und sie ließen ihn rein. Eine sicherlich makabere Überschrift für ein ansich schlimmes aber doch ironisches Ereignis. Denn wer stirbt schon mitten auf einer Faschingsfeier. Die Dame gestern tat es. Sie tat es ganz klammheimlich, plötzlich, ohne großes Tamtam. Eigentlich ein schöner Tod. Mitten von Freunden und ihrem Ehemann, feiernd, lachend… Ende. Wenns am schönsten ist, soll man gehen.
Versteht mich nicht falsch, sicherlich ist es schlimm, aber ich gönne es dieser Dame. Immerhin war sie bereits über 80 und hatte sich bis dahin nicht durch diverse Krankheiten, Untersuchungen und Leiden gequält, die viele im Alter erleben müssen. Sie hat einfach die Augen zugemacht, so wie sich das alle wünschen.
Nicht so schön fand ich allerdings die vielen Gaffer und Einmischer inmitten des Vorfalls. Das: “Machen sie doch mal ein Fenster auf!” im herrischen Ton ist recht destruktiv bei einer blutleeren alten Dame. Der Ehemann, der ihr ihre Bedarfsmedikation in den Mund schieben wollte und der Faschings-DJ, der seine Musik immernoch so laut hatte, dass ich beim Blutdruck messen nichts außer den Bass der Musik hören konnte. Und dann der Typ an der Notrufzentrale… der kostete mich meine letzten Nerven.
Bis ich übrigens bei der Dame ankam, waren schon 5 Minuten vergangen und ich fragte mich, warum denn niemand bereits den Notruf verständigt hatte. Ich meine, man brauch keine Krankenschwester um zu entscheiden, dass bei einer NICHT-ansprechbaren Person ein Notarzt zu verständigen ist. Das lernt man bereits im Kindesalter.
Aber zurück zum Typ an der Zentrale. Ich bin kein Freund der fünf W´s, denn sie halten ziemlich auf. Darum mache ich solche Notrufe meist auf Emergency-Room-Art: “Hallo, ich bin Frau Soundso aus derundder Einrichtung. Habe hier eine bewusstlose Bewohnerin, mit folgendem Werten. Bitte schickt sofort die Sanis MIT NOTARZT!” (Den Notarzt würde ich übrigens immer extra anfordern,wenn erforderlich, denn ich habe schon desöfteren erlebt, dass sonst nur die Sanis kommen).Und dann warte ich auf Rückfragen.
Ich hatte nur nicht mit einem BREMSER am Telefon gerechnet, der das Gespräch dann so weiterführte: “Moooment. Wo sind sie nochmal?… Und wer sind sie?… Und wo genau ist das passiert… Aha… hmmm… ja… und um wen gehts?… hmmm, der Blutdruck war?… ahja, na das geht ja noch… die Straße bitte… hmm… ok. Und Sie sind nochmal… ja… sie sind Krankenschwester, ja? Ok… hmm. Ahh hier hab ich die Adresse gefunden… dieunddie Einrichtung sagten sie… ahja. Was ist das, ein Altenpflegeheim?…hmm… achso ambulante Einrichtung… ja… die Telefonnummer hier ist ihre… ja… gut ich schicke dann jemanden vorbei.”
So in etwa darf man sich das Gespräch vorstellen. Mein Wutpuls war sicherlich so hoch, dass ich mir selbst auch gleich hätte einen Notarzt rufen können. Wofür ist es bitte interessant zu wissen, was genau das für eine Einrichtung ist, was genau ich für einen beruflichen Status in dieser Einrichtung habe und um Gottes Willen sollte ER nicht übers Telefon beurteilen, wie schlimm es um die Person steht. Denn nach dem Gespräch hatte die Bewohnerin schon gar keinen Blutdruck mehr und hatte aufgehört zu atmen.
Gefühlte halbe Stunde später (ca. 7 Minuten) waren die Sanis da, natürlich OHNE Notarzt,der kam weitere 5 Minuten später. Endlich schafften wir die Dame aus der Faschingsveranstaltung, den vielen neugierigen Blicken und tausend unnützen Vorschlägen.
Und dann war es auch schon vorbei. Noch ein paar Herzmassagen, die gefundene Patientenverfügung und Aus.
Und ich ärgere mich, dass es so furchtbar abgelaufen ist. Ich wollte die Frau so gerne da rausschaffen… hatte schon Rollstuhl dabei, aber keiner wollte helfen, weil sie der Meinung waren die Dame sei zu schwer… so ein Unsinn. Wir waren zu dritt, das hätten wir mit Sicherheit geschafft. Naja, ich kann es nicht mehr ändern, nur hoffen, dass es so nicht noch einmal abläuft.
Dieses Erlebnis hatte ich auch schon mehrmals, einmal wurde ich dazu gerufen…die anderen waren noch dabei erfolglose Wiederbelebungsversuche durchzuführen. Ich warf einen Blick auf die Person und wußte…der hat es geschafft !!!!!
Ja, irgendwie sieht man es ihnen an. Eine gewisse Friedlichkeit liegt ihm Gesicht.
da müsstest du wahrscheinlich wesentlich bestimmender sein, und wenns darauf ankommt auch jemanden anschreien, wenn er dir nicht zu Hand gehen will.
“Wesentlich bestimmender sein” ist meine größte Charakterschwäche. Daran arbeite ich bisher erfolglos.
Das andere ist, schreien war nicht drin, habe seit Tagen eine Erkältung und übelste Halsschmerzen, Heiserkeit usw.
Ich fand eben auch schade, dass die Verantwortliche des Hauses (quasi die Leitung) nicht schon die Leute aus dem Raum gebeten hat und die Feier, die sie ja organisiert und überwacht hat, abgebrochen hatte. Dann hätte ich in RUHE und mit einem klareren Kopf meine Aufgabe an der Patientin erledigen können.
*lach* aber da fällt mir ein, selbst wenn ich hätte schreien können, ich war ja mit dieser dämlichen Schülerin im Dienst. Die hört ja auf niemanden. Auf mich schon gar nicht. Die hat schon so viele Zahnabdrücke an sich… vom Zähne an ihr ausbeissen.