Room-Zapping

Momentan kann ich auf Arbeit wieder Room-Zapping betreiben. Das ist eine ganz besondere Art des Fernsehzappens. Man schaltet nicht per Fernbedienung durch die Programme, sondern sich selbst durch die Zimmer, der gerade fernsehschauenden Bewohner: quasi Body-Multi-Roomensional.
Eine ganz besondere Art also und aufregend noch dazu, da man nie weiss, was die Bewohner so schauen. Außer Samstags, da kann man sich fast sicher sein, keine “Wetten-Dass”-Wette zu verpassen. :lol:

Die Beste Zeit zum Room-Zapping ist ab 17 Uhr, besonders effektiv aber erst gegen 20 Uhr. Die meisten sind nun mit Essen fertig und haben nichts mehr zu tun in ihrem schwer-beschäftigten Rentner-Dasein. Und dann komme ich, ziehe die letzten Kompressionsstrümpfe aus, rate noch einige Millionenfragen richtig ;) und verschwinde ins nächste Zimmer, um Nachtmedikamente zu verabreichen und nachzuprüfen, ob meine Millionenantwort auch wirklich richtig war.
Beliebteste Sendungen sind wie schon unauffällig erwähnt: “Wetten Dass” und “Wer wird Millionär”. Wenn ich Pech habe läuft “Pfarrer Braun” mit Ottfried Fischer oder wie sollte es auch anders sein: TATORT.
Nachmittags wird meistens Hartz-4 Programm geschaut, also solche Sendungen wie “Familien im Brennpunkt” und schlimmeres.
Allerdings gibt es da eine Bewohnerin, die schaut Nachmittags “Two and a Half Men”. Und wenn ich dann auf Pflegerische Verstärkung warte, weil sie nur zu zweit transferiert werden kann, sitzen wir zwei derweil lachend auf der Couch zusammen. Großartig! :mrgreen:
Es gibt neben dem Room-Zapping noch eine erweiterte Form: Personal-Choice-Room-Zapping. Das heisst ich suche mir beim Bewohner das Programm aus, dass ich für den kurzen Aufenthalt des Zimmers sehen möchte. Dieses ist eher seltener und ein an bestimmte Bedingungen geknüpftes Zappen.
Erste Bedingung: Ich muss bei einem Bewohner sein, der bettlägrig und dement ist, so dass der Fernseher nur rein als Hintergrundgeräuschkulisse agiert.
Und Zweite Bedingung: Ich muss eine längere Tätigkeit ausführen können, wie Waschen oder Essen eingeben, damit sich das Anschalten überhaupt lohnt.
Sind beide Bedingungen ergeben, kann man sich die Arbeit verschönern und sich ein Programm auswählen, dass man mag. Ich schaue eigentlich immer Nachrichten. Und es haben beide was davon. Ich eine schöne Arbeitsatmosphäre und der Bewohner hat Beschäftigung oder angenehme Ablenkung. Letztes Wochenende und Anfang der Woche hatte ich das Vergnügen in den Genuss des Personal-Choice-Room-Zappings zu kommen. Nur so war es mir möglich aktuellste Nachrichten zum Thema Japan zu sehen und auf dem laufenden zu bleiben.
Und News-Übergabe gabs anschließend im Schwesternzimmer. Ich war quasi der personifizierte Life-Ticker.
Radio benutze ich auch gerne beim arbeiten, wenn kein Fernseher vorhanden. Allerdings ist mir aufgefallen, dass es sich zu Jimmy Hendrix oder ähnlicher Musik schwierig arbeiten lässt, wenn man chillig mit dem Kopf hinundher-swingt und das innere Bedüfrnis hat Luftgitarre zu spielen. Aber hey, der Sender war schon voreingestellt… da schalt ich doch nicht um! ;)

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