Seit laaaaaangem habe ich nichts mehr geschrieben. Der Grund? Ich bin meistens einfach zu müde. Müde und Einfallslos. Körper und Geist werden von meiner Arbeit völlig ausgesaugt.
Wenn ich Freitags und Samstags die Party-Statusmeldungen von Freunden und “Freunden” lese, muss ich meistens lachen. Das Größte Ereignis für mich ist momentan, wenn ich nach 23 Uhr noch wach bin. ![]()
Ich möchte nicht, dass es als Gejammer verstanden wird, sondern einfach als Tatsache, die sich aber zu gegebener Zeit ändern wird. Dazu aber ein ander Mal mehr.
Um wieder zurück zum Thema zu kommen, denn um mich geht es ja im Grunde gar nicht. Ich wollte jedem, der nicht im pflegerischen tätig ist, mal ein paar kleine Einblicke gewähren. Angeregt dazu hat mich ein Ereignis vor einigen Tagen mit einer Bewohnerin. Dieses Plakat der Diakonie wäre aber auch ein guter Anstoß gewesen für mich.
Ganz erlich, wenn ich diese unvorteilhaft getroffene Dame sehe, möchte ich gerne an etwas anderes denken. Mit diesem Gesichtsausdruck erinnert sie mich eher an ein paar negative Senioren-Beispiele, die ich so betreue.
Daher gibts heute mal ein paar kleine Anekdoten aus der Pflege. Teilweise handelt es sich um wirklich sehr eklige Angelegenheiten ( aber erst gegen Ende und mit Ankündigung). Und jedem, dem das zuviel ist, empfehle ich lieber nicht auf weiterlesen zu klicken.
Die Altenpflege bzw. pflegerisch tätig zu sein wird immer sehr in den Himmel gelobt. Zumindest vom sozialen Standpunkt aus, denn immerhin ist es ja etwas wundervolles sich um alte Menschen zu kümmern und wir werden ja auch mal alt. Naja…
Das einzig wundervolle an dem Job ist, wenn ein älterer Mensch auch ernsthafte Dankbarkeit zeigt oder man einem wirklich HELFEN konnte. Und ich rede nicht davon, demjenigen seinen schrumpligen Hintern zu waschen. Denn ansonsten ist diese Arbeit körperlich anstrengend; stressig, weil ja immer mehr in weniger Zeit erledigt werden soll, unkreativ, ergebnislos und absolut unterbezahlt.
Und dieses warme Gefühl, helfen zu können ist meistens auch nicht gegeben. Denn wieviel Zeit haben die Pflegenden heute noch, um wirklich zu helfen. Und die, die das entscheiden sitzen auf ihren breiten Privatpatientärschen und haben noch nie einen Senior aus der Nähe gesehen… Ja, auch ich frage mich da, woher eigentlich noch die Motivation für den Job herkommt.
Altenpfleger aus Leidenschaft (bin noch nie einem begegnet) sehen das vielleicht nicht so eng. Ist in Ordnung, ich bin ja auch eigentlich keine Altenpflegerin. Ich hab Krankenschwester gelernt, ein Himmelweiter Unterschied. Ich will Verbände, Wunden, Brüche, Infusionen, Spritzen usw. Die ganze Bandbreite an Funktionspflege eben. Aber unterbezahlt, körperlich anstrengend und stressig ist der Job genauso, wenn noch schlimmer… von den Arbeitszeiten gar nicht zu sprechen. ![]()
Vorher kommen also diese positiven Eindrücke. Von mir nicht. Mich wundert auch nicht, wenn wieder ein Pfleger/in einen Patienten umgebracht hat. Schön ist es nicht, aber es schockt mich nicht mehr.
Man bekommt eben irgendwann eine Art Gleichgültigkeit… und einen seltsamen Humor. Aber den braucht man bei den Sachen, die man so erlebt.
Beginnen wir mit Kleinigkeiten.
Das Ausspielen der Schwestern durch die Bewohner ist etwas, was man gleich am ersten Tag erlebt. Da kann man sich noch soviel Mühe geben, Schwester SoundSo macht es anders und am Besten. Ratsam ist auch, immer ein eingeschaltetes Aufnahmegerät dabei zuhaben, denn alles was man sagt, wird falsch und gegen einen verwendet.
Die Angehörigen sind da keinen Deut besser. Es dauert oft ziemlich lange bis sie den dementen Zustand ihrer Eltern begreifen. Solange kommen sie immer wieder und beschweren sich über Dinge, die nie passiert und nie gesagt wurden.
Was ich letztens auch erlebt habe war ein verstrittenes Geschwisterpaar, dessen Mutter ins Krankenhaus eingewiesen wurde. Die Schwester wurde von uns informiert, sagte aber ihrem Bruder nichts davon. Der stand natürlich wutenbrannt vor unserem Stationszimmer und wollte wissen, was los ist. Aber für solche Kindergartenspiele unter Geschwister können wir nunmal nichts.
Schlimmer ist, wenn die Angehörigen selbst schon etwas dement sind und gleichzeitig die Vollmacht ausüben: So kam es, dass die Schwester einer Bewohnerin sie abholen wollte, um sie bis Abends zu sich zu nehmen. Sie fragte nach dem Insulin und sagte folgende Worte zu mir: ” Legen Sie den Pen einfach auf den Tisch und stellen sie irgendwas ein. ” Irgendwas einstellen?! Ohne Blutzucker zu messen vorher. Ich erklärte es ihr in Ruhe, aber ich glaube nicht, dass sie es verstanden hatte.
Die Vergesslichkeit solcher dementen Leute ist anstrengend, aber manchmal auch lustig. So kämpfe ich jedesmal mit einer Dame darum, dass sie sich die Zähne putzt, obwohl sie fest der Überzeugung ist, das bereits getan zu haben. Die Bürste ist natürlich furztrocken. Die Hörgeräte der schwerhörigen Dementen liegen unbenutzt auf dem Tisch oder sind im Ohr gar nicht eingeschaltet. Einer anderen Dame sagt man ca. 20 Mal das jeweilige Datum und der dritten habe ich schon hundertmal erklärt, das Cortisoncreme eben nicht wie normale Hautcreme zu benutzen ist.
Meine Favoritin bleibt aber die Bewohnerin, die ab und zu Essen von uns gebracht bekommt aus der internen Küche. Jedesmal erkläre ich ihr, dass sie es nicht abwaschen braucht und sie schaut mich lächelnd und erstaunt an: “Sooo? Brauche ich nicht?” Das Geschirr ist beim Abräumen immer abgewaschen.
Keinen Spaß allerdings hat man bei den unschönen Charakterzügen der “feinen” Damen. Nicht nur, dass sie uns gegeneinander Ausspielen. Sie können nicht warten; haben kein Verständnis fürs Zuspätkommen, aufgrund eines Notfalls und ich habe sowieso von nichts eine Ahnung, denn ich bin ja noch so jung!
Meistens sind das auch sehr undankbare, meckernde Menschen und haben es natürlich am schwersten. Sie sind ja sooooo schwerkrank… haaach, können kaum laufen und alles tut weh. Und als sie eben leichtfüßig und gugelaunt mit ihrem Gehwagen Ralleystreifen auf dem frischgeputzten Teppich im Gang hinterlassen haben, war nur eine kurzer Moment des Wohlbefindens. 10 Minuten später, wenn man sich zum nächsten aufmacht, sind sie schon wieder unterwegs (unter starken Schmerzen, versteht sich!) um sich über den dreckigen Teppich im gang zu beschweren.
Solchen benimmlosen Menschen soll ich also die runzligen Rücken waschen; ihre verdreckte, infektiöse Wohnung in Ordnung halten; ihre pilzbefallenen Füße eincremen und das warscheinlich auch noch gerne und natürlich gründlich und lange, weil sie sind ja die einzigen, die Hilfe brauchen.
Tja und die wirklich Hilfe-Bedürftigen kommen wegen solchen Egomanen leider immer zu kurz. Diese sind zwar dankbar, aber auch die Arbeit mit Ihnen ist nicht einfach, je nach Ausprägung der Demenz. Im schlimmsten Fall treten und spucken sie nach dir oder bringen dich um den Verstand, weil sie andauernd nur jammern oder schreien.
Mit der tretenden Dame arbeite ich allerdings sehr gern. Einmal (Achtung eklig!) hatte sie unter ihren Fingernägeln eingetrockneten Kot, weil sie in ihrer vollgemachten Windel rumgespielt hat. Ich versuche ihre Fingernägel wieder sauberzumachen und sie tritt und haut natürlich nach mir um sich zu wehren. Als ich ihr erklären versuche, warum ich das unbedingt saubermachen möchte, sagt sie: “Vielleicht ist das auch Schokolade!”. Also tut mir leid, aber da musste ich lachen! ![]()
Eine andere Dame wollte sich bei mir bedanken, weil ich ihr auf die Toilette geholfen hatte, und streichelte mich mit beiden Händen im Gesicht. (Achtung eklig!) Was ich leider nicht sah, war die stuhlbeschmierte Handfläche.
Um das Stuhlgangthema auch ganz schnell wieder zu beenden, noch eine letzte Geschichte… von meiner Lieblingsbwohnerin.
(Achtung eklig!) Ich komme in ihr Zimmer um sie zu versorgen. Ich finde die Dame in der Küche, vor ihrer Heizung sitzend; untenrum nackt und der Boden um sie herum kotverschmiert und angetrocknet. Wie das genau passiert ist, kann man nur erahnen, aber ich habe ca. 20 Minuten gebraucht, um den Küchenboden zu putzen… und ihre Schuhe, die ich am liebsten gleich weggeschmissen hätte.
Tja, so ist das. Und ich bin sicher, dass mir noch ein paar Sachen einfallen werden. Das war nur ein grober Abriss von Dingen, die mir gerade im Hirn rumflogen.
Die Pflege KÖNNTE ein wundervoller Beruf sein (vorrausgesetzt man kann mit den obrigen Dingen umgehen), wenn endlich mehr Geld in Mitarbeiter, Heime, Materialien und MEHR ZEIT zur Verfügung stehen würde. Aber die, die das entscheiden sitzen leider immernoch auf ihren fetten Beamtenärschen, zählen das Geld, das sie bis zum letzten Cent aus den Leuten rausquetschen und haben warscheinlich auch noch soviel Unverschämtheit einfach wegzusterben, ohne vorher einmal in den Heim”Genuss” gekommen zu sein.
Hallo.
Gott – oder manche sagen der Zufall, hat mich auf diese Seite gebracht. Mir ging es um den Spruch des Lächelns! Meine Nichte hatte gepostet, der Spruch sei von Gott. Das wollte ich nachprüfen. Ich hab mal in der Krankenpflege gelernt, aber nicht fertig. Nun hab ich mich seit 5 Jahren, davo 3einhalb ehrenamtlich und den Rest in Vollzeit (24Std.) meiner dementkranken Nachbarin angenommen. Ich könnte ähnliche Geschichten erzählen wie Sie und fand die Dame und mich in den obigen durchaus wieder.! Amüsant sowas zu lesen. Es ist nur für meine großen Kinder eklig. Daher wird von allen ihr Toilettengang beobachtet, um sie ans Händewaschen zu erinnern u evtl. zu helfen. Ansonsten sofort das Desinfektionsmitel verteilt…
Die Dame ist inzwischen zur Oma der Kinder aufgestiegen, da sie keine mehr haben. Wir wohnen und leben mit ihr und sie mit uns, soweit sie fit ist, weil ich das für meine Mutter genauso getan hätte, wenn sie gewollt hätte. Ich tue es sehr gern in dieser Form. Ja mit ganzem Herzen, also kann man schon sagen mit Leidenschaft. Seit ich ein – viel zu geringes – Einkommen erhalte, ist es nicht mehr so schön.
Ich will keine Alternpflegerin sein. Sollte das Schicksal jedoch noch einen Menschen in meine Hände geben, der mir nahesteht, so werde ich nicht nein sagen. Als Christ hab ich nur die Wahl, WIEVIEL ich helfe. Wer um EINEN Schritt bittet, mit dem soll man zwei gehen.
Ich kann jetzt nicht als Christ sprechen, denn ich bin zu sehr an Fakten gebunden und unreligiös aufgewachsen. Aber Hilfe zu geben ist bzw. SOLLTE völlig religionsunabhängig sein.
Daher bin ich in meinem Job geblieben. Zu dem Zeitpunkt, als ich obriges schrieb war ich zeitweise noch überfordert mit einigen Dingen, War erst frisch in der Pflege drin…
Nun fällt es mir leichter und macht auch mehr Spaß. Ich würde mich tatsächlich unvollständig fühlen, wenn ich diese soziale Hilfe nicht geben könnte.
Was mich aber immer ärgern wird, ist dieses unsoziale System drumherum, was uns Pflegenden und den zu Pflegenden so oft ein Bein stellen…